Sprache als Waffe: Wie die AfD ihre eigene Realität erschafft – und ihre Anhänger verrohen
Es gibt Tage, an denen die politische Sprache dieses Landes kippt.
Heute ist so ein Tag.
Während zehntausende Demokratinnen und Demokraten in Gießen auf der Straße stehen, um gegen die Neugründung der AfD-Jugendorganisation zu protestieren, veröffentlicht der AfD-Kreisverband Gießen einen Text, der zeigt, wie weit diese Partei sich inzwischen von jeder politischen Verantwortlichkeit entfernt hat.
Und wie tief ihre Anhänger bereits fallen.
Dieser Artikel ist kein Kommentar.
Dieser Artikel ist eine Zerlegung dessen, was die AfD Sprache nennt – und wie sie damit ein Klima erzeugt, in dem Hass gedeiht wie Schimmel in feuchtem Beton.
1. Die AfD konstruiert eine Kriegswelt – und verkauft sie als Realität
Der Post spricht von:
– „rollendem Gefechtsstand“
– „Kampfpanzer“
– „militärischer Überwachungs- und Nervtechnik“
– „akustischem Terror“
– „Flakscheinwerfer“
– „militanten Vergleichen“
Ein Kunstbus.
Ein fahrender Lautsprecher.
Ein politisches Projekt.
Und die AfD beschreibt ihn, als hätte ein Leopard-2 die Gießener Messehallen gerammt.
Das ist keine Übertreibung – das ist absichtliche Eskalationsrhetorik.
Sie brauchen diese Kriegsbilder, um sich als belagerte Festung darstellen zu können.
Sie brauchen dieses Drama, um sich als Opfer zu inszenieren.
Denn wer sich als Opfer sieht, darf alles.
Zumindest in ihrer Sprache.
2. Die AfD ist Meisterin darin, Täter-Opfer-Umkehr zu betreiben
Wer sich den Text genau anschaut, sieht die Standardkonstruktion:
– Wir, die AfD, sind friedlich.
– Die anderen, die Kritik üben, sind extremistisch.
– Jede Form von Protest ist „Terror“.
– Jede Form von Kunst ist „Hetze“.
– Jede Form von Demokratie ist eine Bedrohung.
Das ist eine bewusste Verkehrung der Realität.
Die AfD beschreibt sich selbst – und behauptet, es seien die anderen.
Eine sprachliche Finte, die nur funktioniert, wenn das Publikum nicht mehr nachfragt.
3. Und dann kommen die Kommentarspalten – der dunkle Keller der AfD-Fanschaft
Man muss nicht lange suchen.
Ein paar Beispiele reichen:
– „Linkes Dreckspack“
– „Bus abfackeln“
– „Versifftes Gießen“
– „Terrorbus“
– „Linksextremisten belagern die Messehalle“
– „Faschisten!“ (für Gegendemonstranten)
– „Ausländer sollen aufgeräumt werden“
– „Die Antifa regelt den Rest“
– „Warum ist das nicht verboten worden?“
Das ist keine politische Diskussion mehr.
Das ist der Aggressionsabfluss einer Gemeinschaft, die längst den Boden verloren hat.
Hier spricht nicht eine demokratische Opposition.
Hier spricht ein digitaler Mob, der gelernt hat, dass er für seine Entgleisungen belohnt wird – durch Likes, durch gruppendynamische Bestätigung, durch die Sprache der AfD, die genau diese Stimmung erzeugt.
Das ist kein Zufall.
Das ist ein System.
4. Der Mechanismus: Die AfD liefert die Vokabeln – ihre Leute liefern die Gewaltfantasien
Die Partei spricht von Terror, Krieg, Unterdrückung.
Ihre Anhänger übersetzen das in:
– „abfackeln“
– „verboten!“
– „wegräumen!“
– „Linke vernichten“
– „Terrorbande“
– „Schande für Deutschland“
Das ist der psychologische Trick:
Die AfD selbst bleibt formal noch knapp unter der Schwelle strafbarer Sprache.
Ihre Anhänger sagen den Rest.
Sie schafft die Bilder.
Sie setzt die Vokabeln.
Sie liefert den Rahmen.
Die Fans füllen ihn mit Hass.
Das ist orchestriert.
Das ist erlernt.
Und das ist brandgefährlich.
5. Diese Sprache verschmutzt die politische Atmosphäre dieses Landes
Man kann den Post als albern abtun – als billige Polemik.
Aber das wäre ein Fehler.
Denn Sprache ist nicht harmlos.
Sprache schafft Wirklichkeit.
Wenn du die Welt als Feindesland beschreibst, bekommst du Menschen, die Feindesland sehen.
Wenn du von „Terror“ redest, bekommst du Menschen, die Angst haben.
Wenn du Demokratie als Bedrohung darstellst, bekommst du Menschen, die Bedrohungen bekämpfen wollen.
Die AfD redet sich nicht heiß.
Sie zielt.
Mit jedem Satz.
Mit jedem „Terrorbus“-Bild.
Mit jeder Lüge über angebliche Extremisten.
Und ihr Publikum frisst es.
Und verwandelt es in Aggression.
6. Die Wahrheit ist simpel: Die AfD hat sich längst vom demokratischen Diskurs verabschiedet
Die Partei hat sich entschieden, nicht mehr zu argumentieren, sondern zu schreien.
Nicht mehr zu überzeugen, sondern zu hetzen.
Nicht mehr zu gestalten, sondern zu spalten.
Und sie hat eine Anhängerschaft, die genau das will:
Eine Sprache, die nicht mehr verbindet, sondern zerreißt.
Ein Weltbild, das nicht mehr klärt, sondern vernebelt.
Ein Gegnerbild, das nicht mehr politisch, sondern existenziell ist.
Die AfD lebt davon, dass Menschen nicht mehr unterscheiden können, was real ist und was inszeniert ist.
Und Gießen ist heute das beste Beispiel dafür.
7. Der Gegenentwurf ist genauso klar: Demokratie bleibt standhaft – gerade heute
Während die AfD Kriegsbilder malt, stehen in Gießen Menschen, die Demokratie ernst meinen.
Menschen, die friedlich protestieren.
Menschen, die Haltung zeigen.
Menschen, die wissen, dass Gewalt nie ein Weg ist.
Nicht gegen Polizisten.
Nicht gegen AfD-Leute.
Nicht gegen irgendjemanden.
Das ist die eigentliche Geschichte dieses Tages:
Dass eine Stadt sich nicht kaufen lässt.
Nicht einschüchtern.
Nicht verbiegen.
Während die AfD schreit, bleibt die Demokratie ruhig.
Und steht.
Das ist ihre größte Schwäche.
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