Mehr Anstand im kleinen Finger

Sie haben sie verrissen, bevor sie überhaupt anfangen durfte.
Ein Land, das sich für aufgeklärt hält, hat einer Frau jedes Wort aus dem Mund gerissen wie Aasgeier, die nur auf den nächsten Stolperer warten. Sie wurde nicht kritisiert, sie wurde zerlegt. Nicht in der Sache, sondern in der Absicht. Nicht politisch, sondern persönlich.

Und doch war sie die Einzige, die in der dunkelsten Phase europäischer Politik den Satz gesagt hat, den keiner hören wollte, der aber der einzige richtige war:
Bewahren wir einen kühlen Kopf, auch wenn uns das Herz zerreißt.

Während Merz sich damit beschäftigte, demokratische Gegner zu diffamieren, während die gesicherte Rechtsextreme AfD den Untergang beschwor und die CDU am rechten Rand fischte, stand Baerbock da – mitten im Sturm – und hatte die Größe, die andere nur vor sich hertragen wie eine Attrappe.

Sie hat nicht gejammert.
Sie hat nicht gespalten.
Sie hat geführt. Mit Haltung. Mit Klarheit. Mit Mut.

Und jetzt, wo die Republik auf die Trümmer ihrer eigenen Blindheit starrt, begreifen plötzlich viele, was damals auf der Strecke geblieben ist: Diese Frau hätte gebraucht werden können. Nicht als Symbol, nicht als Projektionsfläche, sondern als politische Kraft.

Die Rechten haben sie lächerlich gemacht.
Die Union hat sie verächtlich gemacht.
Und ein Teil der Medien hat ihr den Atem abgeschnitten, bis das Bild entstand, das man haben wollte.

Aber die Realität ist eine andere:
Sie hatte mehr Rückgrat im kleinen Finger als Friedrich Merz in seiner ganzen Partei.
Mehr Moral als die AfD in ihrem gesamten, verrotteten Parteiapparat.
Mehr Verantwortungsgefühl als all jene, die ihr täglich versuchten beizubringen, wie Politik funktioniert – während sie selbst keine Haltung hatten.

Baerbock ist nicht gescheitert.
Dieses Land ist gescheitert – an ihr.

Weil es ihre Ernsthaftigkeit nicht ertragen hat.
Ihre Klarheit.
Ihre Weigerung, im Chor der Demagogen mitzusingen.

Und heute?
Heute fehlt sie.
So, wie Habeck fehlt.
Zwei Stimmen, die versucht haben, ein Land in der Krise zu halten, das sich lieber dem Geschrei der Populisten hingab.

Es wäre Zeit, das auszusprechen:
Annalena Baerbock war eine der wenigen politischen Figuren dieser Jahre, die wirklich verstanden hat, was Verantwortung bedeutet.

Nicht als Pose.
Nicht als Machtdemonstration.
Sondern als menschliche Pflicht in einer Welt, die brennt.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum sie so gehasst wurde:
Weil sie denen den Spiegel vorhielt, die nur laut konnten – aber nie stark.

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#GegenRechts
#Baerbock


Kommentar:

In den letzten Tagen habe ich unzählige Kommentare gelesen, die alle denselben Satz wiederkäuen: Man solle die Worte von Friedrich Merz doch nicht „überbewerten“. Man solle „nicht immer alles so niedermachen“. Fast schon ein Reflex – sobald die Kritik an Merz lauter wird, kommen aus denselben Ecken die gleichen Ausreden.

Aber genau deshalb schreibe ich diesen Text.

Weil Annalena Baerbock sich im Wahlkampf genau diese Leute gegenüber sah: Merz, Söder, die gesamte Union – ein Block, der nicht politisch argumentierte, sondern persönlich zerstörte. Die gleiche Union, die heute so tut, als sei Kritik an einem Kanzler ein Tabubruch, hat damals eine Frau systematisch zerrissen. Wort für Wort, Atemzug für Atemzug.

Sie wurde nicht nur angegriffen.

Sie wurde diffamiert.

Klein gemacht.

Zertrampelt.

Und jetzt, wo das Land die Trümmer der Merz’schen Spalterei vor sich liegen sieht, heißt es plötzlich: „Nicht übertreiben.“

Nein. Genau jetzt ist der Moment, das Gegenteil zu tun.

Weil Baerbock für etwas stand, das in dieser politischen Zeit fast ausgestorben ist: Haltung.

Und weil sie all das ertragen hat, was Merz und seine Helfer heute als unzumutbare Kritik empfinden.

Deshalb bekommt sie diese Hommage.

Weil sie sie verdient hat.

Nicht als Parteipolitik.

Nicht als Fanliebe.

Sondern als Erinnerung daran, wie mit einer Frau umgegangen wurde, die diesem Land besser getan hätte als all die Spalter, die ihr damals nachgestellt sind.

Ich zeige euch den Text nochmal – als Gegenpol.

Als Korrektiv.

Als das Maß, an dem man politische Anständigkeit heute messen sollte.

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Von Karlheinz Skorwider

Karlheinz Skorwider – CEO, Autor & Redakteur Unabhängiger Medien- und Werbeberater mit über 23 Jahren Erfahrung. Beobachter politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklungen, mit klarem Blick auf Sprache, Machtstrukturen und öffentliche Debatten. Vater von drei Kindern, schreibt an dystopischen sowie gesellschaftskritischen Romanen und arbeitet an Projekten politischer Aufklärung. Bei QuelleX verbindet er kritische Analyse mit erzählerischer Schärfe – stets auf der Suche nach Klarheit, Haltung und Perspektive jenseits der Schlagzeilen.

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