Kennt ihr dieses Scheißgefühl, völlig hilflos auf die Politik zu schauen?
Und zu wissen:
Du kannst gerade nichts daran ändern.
Mich kotzt Jens Spahn an.
Dieses aalglatte Wegmoderieren von Verantwortung. Milliarden verbrannt. Ein Gesundheitssystem geschwächt. Und am Ende steht er wieder da und belehrt andere.
Mich macht dieser arrogante Blick von Reiche aggressiv.
Dieses Auftreten, als wäre soziale Realität nur eine Störgröße im Haushalt.
Ich verachte Dobrindt.
Verbal hart gegen Linke. Laut im Kulturkampf. Aber merkwürdig still, wenn es rechtsradikal wird.
Und Merz.
Seine Sprache.
Seine Körperhaltung.
Diese selbstverständliche Überlegenheit.
Als wäre Politik ein Vorstandstreffen und kein gesellschaftlicher Auftrag.
Und dann Linnemann.
Seit über anderthalb Jahrzehnten im politischen Betrieb. Bundestag, Parteifunktion, Generalsekretär. Bezahlt aus öffentlichen Mitteln. Keine Phase, in der er morgens um sechs in einer Werkhalle stand. Keine Zeit mit Existenzangst vor dem Monatsende.
Und genau dieser Mann stellt sich hin und erklärt den Menschen, sie müssten sparen. Den Gürtel enger schnallen. Leistungsbereitschaft zeigen.
Du weißt genau, was er meint.
Er meint nicht sich selbst.
Er meint nicht die politische Klasse.
Er meint nicht die, die in Vorstandsetagen Boni kassieren.
Er meint dich.
Aber das hier ist kein persönlicher Wutanfall.
Das Entscheidende ist etwas anderes.
Warum reagieren so viele Menschen inzwischen körperlich auf Politik?
Warum schlafen Leute schlechter?
Warum sind sie gereizt, zynisch, erschöpft?
Weil sich ein Gefühl festsetzt.
Du arbeitest.
Du zahlst.
Du funktionierst.
Und oben wird verteilt.
Nicht zu dir.
Sondern nach oben.
Steuererleichterungen für Vermögende.
Schonung großer Kapitalinteressen.
Rhetorische Härte gegen die, die ohnehin wenig haben.
Familien.
Alleinerziehende.
Menschen mit Behinderung.
Chronisch Kranke.
Pflegebedürftige.
Die, die jeden Monat rechnen müssen.
Und dann kommt diese Belehrung von oben.
Von Leuten, die mit ihrem Einkommen nicht wissen, wie sich Existenzangst anfühlt.
Das ist nicht nur politische Differenz.
Das ist Vertrauensverschleiß.
Und dieses Gefühl macht krank.
Nicht, weil man empfindlich ist.
Sondern weil dauerhafte Ohnmacht Stress erzeugt.
Chronischer Stress verändert Menschen.
Er macht aggressiv.
Oder apathisch.
Beides ist Gift für eine Demokratie.
Das Gefährlichste ist nicht ein einzelnes Gesetz.
Nicht ein einzelner Politiker.
Gefährlich ist dieser Moment, in dem du denkst:
Es bringt doch sowieso nichts.
Denn genau darauf baut Macht.
Sie hoffen, dass du müde wirst.
Sie kalkulieren mit deiner Erschöpfung.
Sie setzen darauf, dass du dich zurückziehst.
Nichts ist für politische Macht bequemer als ein resignierter Bürger.
Nicht Wut ist gefährlich.
Nicht Kritik.
Nicht harte Worte.
Gefährlich ist organisierte Klarheit.
Gefährlich ist eine Bevölkerung, die versteht, wie Verteilung funktioniert.
Gefährlich ist dauerhafter Druck.
Sie rauben nicht nur Geld.
Sie rauben Vertrauen.
Und wenn Vertrauen weg ist, wird Demokratie hohl.
Die eigentliche Frage ist nicht, ob uns einzelne Personen anwidern.
Die Frage ist:
Wie lange lassen wir zu, dass Politik sich anfühlt wie etwas, das über uns steht, statt für uns zu arbeiten?
Hilflosigkeit ist bequem für die da oben.
Aber sie ist tödlich für unten.
Also entscheide dich.
Zuschauer.
Oder Druck.
