Kapitalismus, Faschismus und die gezielte Spaltung – Deutschland 2025
Wir sind kein gespaltenes Land. Wir werden gespalten.
Gezielt, planvoll, mit Methode – immer dann, wenn das System an seine Grenzen kommt.
Der Kapitalismus hat ein Überlebensproblem:
Wenn die Ungleichheit zu groß wird, wenn der Wohlstand oben klebt, wenn die Menschen anfangen, das System zu hinterfragen – dann braucht er Schutz. Nicht durch Reform, sondern durch Kontrolle.
Und immer dann, wenn soziale Sprengkraft droht, ruft der Kapitalismus nach seinem alten Verbündeten: dem Faschismus.
1. Der historische Mechanismus
Faschismus war nie ein Unfall, er war immer ein Werkzeug.
Er schützt Eigentum, nicht Menschen.
Er lenkt Wut um, kanalisiert Angst, ersetzt Klassenbewusstsein durch Hass.
Er braucht keine Überzeugten – er braucht Verunsicherte, die glauben, ihr Leben sei in Gefahr, wenn andere gleiche Rechte bekommen.
In Italien, Spanien, Deutschland war das Muster identisch:
Wirtschaftseliten unterstützten autoritäre Bewegungen, solange diese den sozialen Druck nach unten ableiteten.
Die Industrie bekam Aufträge, der Staat bekam Gehorsam, die Massen bekamen Feindbilder.
Und alle zusammen bekamen den Krieg.
2. Der neue Zyklus
Hundert Jahre später wiederholt sich das Muster – leiser, eleganter, verpackt in Talkshows, Social-Media-Kampagnen und Parteitagsreden.
Der Kapitalismus der Gegenwart steht erneut an seiner Bruchkante.
Märkte stagnieren, Reiche häufen Vermögen, der Mittelstand schrumpft, und Millionen arbeiten unterhalb der Armutsgrenze.
Diese Widersprüche lassen sich politisch nur aushalten, wenn man sie moralisch umlenkt.
Also beginnt die Maschine der Spaltung zu laufen.
3. Die Maschine der Spaltung – Schritt für Schritt
Zuerst die Migranten.
Das klassische Vorspiel. Wenn das Geld knapp wird, heißt es: „Wir können uns nicht um alle kümmern.“
Die CDU verschärft die Asylrhetorik, um der AfD Stimmen abzunehmen – und verschiebt dabei selbst die Grenze des Sagbaren.
Migration wird zur Haushaltsfrage, Geflüchtete werden zum Kostenfaktor.
Das Ziel: soziale Wut umlenken, nicht soziale Gerechtigkeit schaffen.
Dann die Generation Z.
Die Jugend ist laut, digital, klimabewusst – also wird sie diskreditiert.
„Faul“, „empfindlich“, „verweichlicht“.
Wer Ansprüche formuliert, wird zur Zumutung erklärt.
So werden Generationen gegeneinander ausgespielt: Alt gegen Jung, anstatt gemeinsam gegen ein System, das beide auslaugt.
Dann die Rentner.
Ihnen wird eingeredet, sie müssten sich verteidigen – gegen Geflüchtete, gegen Sozialausgaben, gegen die Jungen.
Das Narrativ lautet: „Wir müssen sparen, damit eure Rente sicher bleibt.“
Doch die Kürzungen gehen nicht an Migranten oder „faule Junge“, sie gehen in Steuererleichterungen für Konzerne.
Dann die Kranken, Behinderten und Armen.
Die letzte Stufe der moralischen Kontrolle.
Bürgergeld-Empfänger sollen „aktiviert“, Kranke „nicht geschont“, Bedürftige „zur Eigenverantwortung erzogen“ werden.
Es ist die zynischste Form des Neoliberalismus: Armut wird zum individuellen Versagen erklärt, nicht zur Folge politischer Entscheidungen.
Der Staat zieht sich zurück, aber er verlangt Disziplin.
Und wieder – die Queeren.
Wie schon im Faschismus werden queere Menschen zum Projektionsfeld für Angst und Moral.
Sie stören das konservative Selbstbild, bedrohen scheinbar „Tradition“ und „Ordnung“.
Was früher Verfolgung hieß, heißt heute „Genderwahn“.
Doch das Prinzip bleibt dasselbe: Wer anders liebt, wer sichtbar ist, wird zum Symbol für den gesellschaftlichen Verfall erklärt.
So schließt sich der Kreis der Feindbilder – von außen nach innen, von sozial zu identitär.
4. Der politische Nutzen der Spaltung
Diese Abfolge ist kein Zufall.
Sie dient drei Zwecken:
1. Ablenkung.
Je mehr wir über Moral und Schuld reden, desto weniger über Macht und Besitz.
Die Öffentlichkeit diskutiert über Migration, Klima und Gender – nicht über Steuerschlupflöcher, Renditen oder Lobbyismus.
2. Stabilisierung.
Je gespaltener die Gesellschaft, desto stabiler das System.
Wut, die sich gegen das System richten könnte, wird zwischen sozialen Gruppen verteilt.
Der Kapitalismus bleibt unantastbar, weil sich die Unterdrückten gegenseitig verdächtigen.
3. Normalisierung des Autoritären.
Sprache wird härter, Kontrolle selbstverständlicher, Disziplin zur Tugend.
Die CDU übernimmt rechte Rhetorik, um rechts zu verhindern – und macht sie damit salonfähig.
Die SPD trägt sie mit, aus Koalitionsloyalität oder Angst.
Und die AfD erntet, was gesät wurde.
5. Der gesellschaftliche Kipppunkt
Wir erleben keine Überforderung, sondern eine politische Strategie.
Eine Strategie, die Spaltung als Mittel der Machterhaltung nutzt.
Sie funktioniert, solange Menschen glauben, dass andere ihr Problem sind.
Doch die Widersprüche wachsen:
Das Gesundheitssystem ist marode, die Bildung verrottet, Pflegekräfte fliehen, Mieten explodieren, Kommunen kollabieren.
Und während die Regierung Sparpakete schnürt, melden DAX-Konzerne Rekordgewinne.
Das ist kein Versagen – es ist Prioritätensetzung.
Wenn Friedrich Merz sagt, „mit zwei Prozent der weltweiten Emissionen retten wir das Klima nicht“, dann ist das kein Realismus.
Es ist Kapitulation.
Denn er weiß, dass Verantwortung nicht geteilt wird, wenn man sie abgibt – sondern wenn man sie verweigert.
6. Der historische Nachhall
Faschismus ist kein plötzliches Gewitter.
Er ist das Wetter, das entsteht, wenn sich Lüge, Angst und soziale Kälte mischen.
Er beginnt nicht mit Uniformen, sondern mit Sprache.
Mit Begriffen wie „Asyltourismus“, „Faulenzertum“, „Eigenverantwortung“.
Mit einer Öffentlichkeit, die Spaltung für Debatte hält und Abstumpfung für Sachlichkeit.
Historisch folgte auf solche Phasen immer eines:
Ein autoritärer Staat, der sich selbst für die letzte Ordnung hält – bevor alles zusammenbricht.
Damals mit Panzern, heute mit Paragrafen und PR.
7. Und jetzt?
Kein Aufruf, kein Pathos. Nur eine Beobachtung:
Wir stehen wieder an der Schwelle.
Die Demokratie zerfasert leise, während ihre Gegner die Sprache der Mitte übernehmen.
Was damals in offenen Diktaturen geschah, läuft heute unter Etiketten wie „Verantwortung“, „Stabilität“ und „Standortpolitik“.
Der Kapitalismus funktioniert weiter – aber nur, weil der Mensch wieder zur Nebensache wird.
Und genau das ist das eigentliche Problem.
Nicht Migration, nicht Klima, nicht Generation Z.
Sondern ein System, das nur funktioniert, solange es spaltet.
Quellen (Auswahl):
– Bundestagsprotokolle zum CDU/CSU-Fünf-Punkte-Plan Migration, Januar 2025
– Reuters, „German election frontrunner risks breaking taboo working with far right“, 2025
– YouGov, Sonntagsfrage: AfD erstmals vor CDU/CSU, 2025
– Stern, „Wie soll das Bürgergeld verschärft werden?“, 2025
– Tagesspiegel, Interview mit Helena Steinhaus, Sanktionsfrei, 2025
– Jacobin, „Grundsicherung als Disziplinierung der Armen“, 2024
– Statista, Umfrage zur Akzeptanz von Bürgergeld-Kürzungen, 2025
Spaltung ist kein Zufallsprodukt der Demokratie.
Sie ist ihr Gegenmittel – verabreicht, um den Kapitalismus am Leben zu halten.
Solange wir uns gegenseitig verdächtigen, wird sich nichts ändern.
Und genau das ist der Punkt, an dem Geschichte beginnt, sich zu wiederholen.
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