Manchmal reicht ein einziger Satz, um eine ganze Epoche zusammenzufassen.
„Die Brandmauer ist gescheitert.“
Albrecht von der Hagen, Chef des Verbands der Familienunternehmer, sprach ihn aus wie einen Stoßseufzer – oder wie eine Einladung. Man weiß es nicht genau. Sicher ist nur: Er öffnet eine Tür, die in Deutschland nie wieder hätte geöffnet werden dürfen.

Ein Verband, der sich selbst als Stimme der Mitte verkauft, sucht den Austausch mit einer Partei, die in Teilen eindeutig als rechtsextrem eingestuft ist. Und während die Öffentlichkeit noch irritiert blinzelt, setzt sich im Hintergrund ein altes Muster wieder zusammen. Man erkennt die Silhouette aus früheren Jahren, früheren Regimen, früheren Katastrophen.

Wer in Deutschland wissen will, wie Macht funktioniert, muss der Wirtschaft zuhören. Und wer wissen will, wie sie denkt, muss ihre Archive öffnen.

Die Spur zurück: Deutschland im Jahr 1932

Es war nicht das Volk, das Hitler an die Macht trug.
Es waren Industrielle, Banken, Verbände.
Jene, die sich Sorgen machten:
um ihre Profite, um ihre Lieferketten, um ihre ideologische Ruhe.

Die Geschichte wiederholt sich nie exakt.
Aber manchmal reimt sie sich.
Und manchmal klingt der Reim so laut, dass man ihn nicht mehr überhören kann.

Das alte Netzwerk – und seine heutigen Erben

Die Liste der Unternehmen, die im Dritten Reich profitierten, liest sich wie eine Inventur der deutschen Wirtschaftselite. Und noch bemerkenswerter ist: Viele dieser Namen tauchen heute wieder im Umfeld jener Verbände auf, die nun den „Fachaustausch“ mit der AfD suchen.

Man muss kein Historiker sein, um diese Parallele zu verstehen.
Man muss nur hinschauen.

BMW

Millionen-Aufträge für Flugmotoren.
Zwangsarbeiter in allen Werken.
Familiäre Nähe zu NS-Funktionären.
Heute: eines der großen familiendominierten Unternehmen im Verband.

Schaeffler

Schlüsselzulieferer der Rüstungsindustrie.
Zwangsarbeit, Panzerteile, Kriegsgetriebe.
Heute: Teil der tonangebenden deutschen Industrie – wieder im Verband.

Miele

Rüstungsproduktion, Flugzeugteile, Werkstätten voller Zwangsarbeiter.
Heute: Mitglied und wirtschaftliche Instanz.

Claas, Brose, Melitta, Bahlsen, Haribo, Dräger, Oetker, Merck, Boehringer, Vorwerk

Sie alle tauchen in den historischen Dokumenten auf.
Zwangsarbeiter.
NS-Lieferverträge.
Profite durch Arisierung.
Aufträge durch den Krieg.

Und sie tauchen auch heute alle wieder auf – als Teil jener deutschen Familienunternehmer, die jetzt „Gespräche“ mit einer Partei suchen, die offen gegen demokratische Grundrechte, Minderheiten und Pressefreiheit agitiert.

Zufall?
Das wäre die bequemste Antwort.

Das Muster dahinter – und warum es sich wiederholt

Wenn ein kapitalistisches System in eine Legitimationskrise gerät, sucht es Halt.
Nicht in Demokratie und sozialem Ausgleich.
Sondern in Stärke, Ordnung, Kontrolle.
In einem Staat, der durchgreift.

Faschismus war in der Geschichte nie das Gegenteil von Kapitalismus.
Er war immer sein Notfallaggregat.

Die NS-Zeit hat das brutaler gezeigt als jedes andere Regime:
Großunternehmen machten Kasse, während die Demokratie starb.
Sie profitierten von Entrechtung, Gewalt und Krieg.
Sie banden sich an ein System, das ihnen alles gab: billige Arbeitskräfte, staatliche Großaufträge, politische Rückendeckung, ausgeschaltete Gewerkschaften.

Und wenn man die Aussagen von heute danebenlegt, erkennt man dieselbe Sprache hinter anderen Worten.

2025 – die neue Kontaktaufnahme

Die Familienunternehmer erklären, das Programm der AfD sei „eine schiere Katastrophe“.
Aber sie wollen reden.
Warum redet man mit jemandem, den man für gefährlich hält?
Warum sucht ein Verband mit 6.500 Unternehmen den Austausch mit einer Partei, die demokratische Institutionen demontieren will?

Die Antwort ist bitter einfach.

Es geht nie um Inhalte.
Es geht um Macht.
Um Einfluss.
Um das Abstecken von Territorien in einer Zukunft, die unruhig wird.

Man will sich Optionen sichern.
Man will in jeder politischen Lage verhandlungsfähig bleiben.
Und man will – wie damals – an der richtigen Seite stehen, falls der Wind dreht.

Das letzte Mal, als sich deutsche Wirtschaftsverbände so offen Richtung rechts lehnten, endete es im größten Zivilisationsbruch dieses Landes.

Warum die Parallelen nicht zufällig sind

Man muss kein Marxist sein, um das zu sehen.
Es reicht ein Blick auf die Mechanik.

Autoritäre Parteien versprechen:

Steuersenkungen

Deregulierung

Schwächung von Gewerkschaften

Abbau sozialer Sicherungen

Privilegien für nationale Großunternehmen

aggressive Standortpolitik

Ruhe im Land, weil Angst regiert

Für bestimmte wirtschaftliche Kreise klingt das wie Musik.
Und deshalb stehen sie wieder vorne, wenn eine rechte Kraft aufsteigt.

Nicht aus Ideologie.
Sondern aus Kalkül.

Und die Demokratie? Sie steht wieder allein da

Die deutsche Öffentlichkeit hat sich an die Brandmauer gewöhnt.
Sie hielt lange.
Sie war ein Versprechen.
Aber Versprechen halten nur so lange, wie die Macht sie braucht.

Heute bröckelt sie.
Nicht von unten.
Sondern von oben.
Dort, wo die alten Namen sitzen.
Dort, wo die Archive stauben.
Dort, wo sich Geschichte am leichtesten verharmlosen lässt.

Der letzte Absatz – und die Frage, die bleibt

Vielleicht ist das der Grund, warum sich alles so vertraut anfühlt.
Weil es nicht neu ist.
Weil Deutschland immer dann nach rechts rückt, wenn seine Eliten Angst bekommen.
Weil dieselben Konzerne, die vor 90 Jahren schon einmal „pragmatisch“ waren, wieder an demselben Tisch sitzen.
Und weil niemand offen ausspricht, was diese Entwicklung bedeutet.

Also bleibt am Ende nur eine einzige Frage:
Wie oft kann ein Land denselben Fehler machen, bevor er nicht mehr korrigierbar ist?

#NieWieder1933
#DemokratieVerteidigen
#RechtsruckStoppen
#WirtschaftInDerVerantwortung
#WehretDenAnfängen

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Von Karlheinz Skorwider

Karlheinz Skorwider – CEO, Autor & Redakteur Unabhängiger Medien- und Werbeberater mit über 23 Jahren Erfahrung. Beobachter politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklungen, mit klarem Blick auf Sprache, Machtstrukturen und öffentliche Debatten. Vater von drei Kindern, schreibt an dystopischen sowie gesellschaftskritischen Romanen und arbeitet an Projekten politischer Aufklärung. Bei QuelleX verbindet er kritische Analyse mit erzählerischer Schärfe – stets auf der Suche nach Klarheit, Haltung und Perspektive jenseits der Schlagzeilen.

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