Wie die AfD das Wort Heimat missbraucht – und keinen Finger für dieses Land rührt
1. Die große Pose
„Heimat. Deutschland zuerst. Wir kümmern uns um die, die hier sind.“
Kaum eine Partei in Deutschland operiert so laut mit diesen Worten wie die AfD.
Sie inszeniert sich als moralische Gegenkraft zur „abgehobenen Elite“, als Schutzwall des „kleinen Mannes“ – als Stimme des Volkes gegen ein angeblich gleichgültiges Establishment.
Patriotismus, so verkauft sie es, sei ihr Markenkern.
Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Der Patriotismus der AfD endet dort, wo Arbeit beginnt.
Dort, wo Hände gebraucht werden.
Dort, wo echte Menschen Hilfe brauchen – nicht als rhetorische Kulisse, sondern als Mitmenschen.
2. Die Recherche
Eine Woche systematische Suche – durch Parteiprogramme, Kreisverbände, Landesverbände, Social-Media-Auftritte, kommunale Webseiten, Presseberichte.
Untersucht wurden alle Felder, in denen gesellschaftlicher Zusammenhalt sichtbar wird:
Suppenküchen, Obdachlosenhilfe, Kältehilfe
Jugendhilfe, Drogenprävention
Stadtteil- und Nachbarschaftsarbeit
Umwelt-, Wald- und Aufforstungsaktionen
Tier- und Naturschutzinitiativen
Das Ergebnis: Nichts Belastbares.
Keine zentrale Struktur, keine kontinuierlichen Programme, keine regelmäßig dokumentierten Projekte, keine belegbaren Kooperationen mit gemeinnützigen Trägern.
Was sich fand, waren PR-Gags. Ein „Kältebus“ 2018, der bis heute nicht nachweisbar operierte.
Einige Kreisverbände, die „Seniorennachmittage“ in Parteibüros abhielten – parteipolitisch gerahmt, nicht sozial.
Einzelne Social-Posts mit Sätzen wie:
„Bevor ich für Ausländer spende, spende ich für Obdachlose.“
Aber keine Spendenbelege, keine Trägerlisten, keine Förderberichte.
Es bleibt bei Symbolhandlungen – laut im Ton, leer in der Tat.
3. Der Datenabgleich
Laut Freiwilligensurvey 2019 und dem 4. Engagementbericht der Bundesregierung (2024) engagieren sich in Deutschland rund 29 Millionen Menschen, also fast 40 % der Bevölkerung ab 14 Jahren.
Sie verteilen Essen an Bedürftige, helfen alten Menschen, pflanzen Bäume, betreiben Jugendzentren, reinigen Flüsse, lehren Integration.
Doch: Keine einzige amtliche Statistik weist aus, dass AfD-Mitglieder oder -Anhänger hier signifikant vertreten wären.
Keine wissenschaftliche Studie, kein Bericht, keine parlamentarische Quelle.
Die Zahl „4 % AfDler im Ehrenamt“, die in Einzelforen zirkuliert, bleibt ohne seriösen Beleg. Faktisch existiert keine Datenbasis, die eine relevante Beteiligung der AfD-Wählerschaft am Ehrenamt dokumentiert.
Diese Leerstelle ist selbst zum Befund geworden: Nachweisbar ist nur, dass es nichts Nachweisbares gibt.
4. Der Vergleich – andere Parteien handeln
Der Kontrast ist grell:
DIE LINKE betreibt in Hessen und anderen Bundesländern Bürgerbüros, Kulturcafés, Sozialsprechstunden und Hartz-IV-/Bürgergeldhilfe.
In Marburg, Kassel, Fulda und Darmstadt gibt es regelmäßig kostenlose Sozial- und Rechtsberatungen. Sie arbeiten mit Gewerkschaften, Vereinen und Initiativen zusammen.
Das ist gelebte Solidarität, keine Parole.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN führen Aufforstungsaktionen, Waldreinigungen und Klima-Aktionstage durch – teils in Kooperation mit Umweltverbänden.
Beispiel Hessen: Die Grünen Bad Schwalbach pflanzten 2024 gemeinsam mit Bürgern hunderte Bäume, versorgten Helfende mit Essen und Getränken. Landesweit laufen Initiativen für Bannwaldschutz und Aufforstung.
Das ist Patriotismus in Tatkraft.
SPD-Ortsverbände organisieren Jugendnachmittage, Familientage, Bürgerfeste mit kostenlosen Angeboten – von Kinderbetreuung bis Musik, von Nachbarschaftshilfe bis Sozialberatung.
Sie verbinden Politik mit Gemeinschaft.
Das ist sozialer Zusammenhalt, kein Schlagwort.
Und die AfD?
Kein Bürgerbüro für Bedürftige.
Keine Umweltaktionen.
Keine Kinderbetreuung, kein Kulturcafé, keine Sozialberatung.
Nicht einmal eine belegte Suppenküche.
5. Das Muster
Ehrenamt braucht Geduld, Teamgeist, Verantwortung. Es verlangt Nähe zu Menschen, Empathie, Kompromissfähigkeit.
Es funktioniert nur, wenn man nicht fragt, wer jemand ist, sondern was er braucht.
Genau dort aber bricht das AfD-Weltbild zusammen.
Denn ihre Energie speist sich nicht aus Verbindung, sondern aus Abgrenzung.
Sie lebt von der Spaltung, nicht von der Solidarität.
Der Patriotismus der AfD ist ein Marketingprodukt.
Er riecht nach Fahne, nicht nach Erde.
Er klingt nach „Wir sind das Volk“, aber bedeutet: „Ihr seid nicht wir.“
Er schützt keine Heimat – er benutzt sie.
6. Umwelt, Klima, Verantwortung
Auch im Umweltbereich bleibt die AfD isoliert.
Während die Grünen, SPD und Linke aktiv an Aufforstung, Energie- und Artenschutzprojekten mitarbeiten oder diese fördern, lehnt die AfD praktisch jede Form von Klimapolitik ab: CO₂-Bepreisung, Energiewende, Tempolimit, Flächenstilllegung, Artenschutzauflagen.
Sie steht Seite an Seite mit fossilen Interessen, nicht mit Umweltinitiativen.
Weder der NABU, noch der BUND, noch die Deutsche Umwelthilfe finden in der AfD einen Partner.
Im Gegenteil: Sie warnen ausdrücklich vor ihr.
Ein Patriot, der seine Wälder nicht schützt, ist kein Patriot.
Ein Heimatfreund, der seine Flüsse vergiften lässt, ist kein Freund, sondern ein Besucher.
7. Die politische Bilanz
Kein AfD-Trägernetz im Bereich Soziales, Umwelt, Jugend oder Nachbarschaft.
Keine öffentlich dokumentierten Projekte, die dem Anspruch „Wir kümmern uns um die hier“ gerecht werden.
Kein belastbarer Nachweis über eine nennenswerte Zahl AfD-naher Ehrenamtlicher.
Stattdessen: populistische Parolen, Angstmacherei, Feindbilder, Ressentiments – und politische Blockadehaltung gegenüber allem, was Gemeinsinn stärkt.
Das Muster ist eindeutig: Die AfD profitiert von der Arbeit anderer – und diskreditiert sie gleichzeitig.
Sie ruft nach einem Land, das sie selbst nicht trägt.
8. Fazit
In einem Land, in dem fast 30 Millionen Menschen freiwillig helfen, arbeiten, schützen, bauen, spenden und retten, steht eine Partei wie die AfD nackt da.
Sie ruft „Heimat“, aber sie hat keine.
Sie ruft „Volk“, aber sie dient ihm nicht.
Sie ruft „Patriotismus“, aber sie verweigert die Tat.
Heimat ist kein Wort. Heimat ist ein Tun.
Und genau das verweigert die AfD – nachweislich, sichtbar, dauerhaft.
Kein Finger für dieses Land. Kein Beleg, kein Projekt, keine Verantwortung.
Nur Wut als Ersatz für Mitgefühl.
Nur Lautstärke als Ersatz für Haltung.
Nur Spaltung als Ersatz für Solidarität.
Patriotismus ohne Hände ist nichts wert.
Und eine Partei, die das Land angeblich liebt, aber nichts für seine Menschen tut,
ist kein Schutzwall. Sie ist eine Mauer der Kälte.
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Die CDU – sichtbar, aber selektiv
Im Gegensatz zur AfD hinterlässt die CDU zumindest Spuren.
Sie ist – trotz ihres wirtschaftsliberalen Kerns – in Teilbereichen des Ehrenamts tatsächlich sichtbar: bei Aufräumaktionen, Pflanz- und Stadtpflegeaktionen, meist auf Initiative lokaler Verbände oder der Jungen Union.
In Bonn-Ippendorf, Remscheid, St. Wendel oder Beverungen beteiligen sich CDU-Gruppen regelmäßig an „Picobello“-Tagen, bei denen Müll gesammelt, Grünflächen gepflegt oder öffentliche Wege gereinigt werden.
Auch Baumpflanzaktionen gibt es: etwa in Heiligenstadt 2023 oder im Rahmen des Projekts „HessenRail“, bei dem CDU-geführte Landesstellen mit HessenForst rund 2 000 Bäume pflanzten.
Das ist keine Show, sondern dokumentiert – mit Fotos, Terminen, Teilnehmerzahlen.
Allerdings: Diese Aktionen sind punktuell, symbolisch und meist kommunal organisiert. Sie sind Teil der politischen Öffentlichkeitsarbeit, nicht eines professionellen, parteigetragenen Sozial- oder Umweltprogramms. Es sind Tage des Mitmachens, nicht Strukturen des Helfens.
In der Sozialarbeit dagegen – Suppenküchen, Kältehilfe, Drogenprävention, Jugend- oder Seniorentreffs – bleibt auch die CDU weitgehend abwesend.
Hier stützen sich Christdemokraten traditionell auf Caritas und Diakonie – christliche Wohlfahrtsverbände mit Millionen Mitgliedern, die unabhängig von Parteigrenzen arbeiten, aber historisch aus demselben Milieu stammen.
Das heißt: Die soziale Tatkraft ist da – aber nicht parteieigen, sondern ausgelagert. Die CDU profitiert vom moralischen Kapital dieser Institutionen, ohne selbst Träger zu sein.
Politisch agiert sie eher regulatorisch: durch Förderrahmen, Haushaltsanträge, Programme.
Aber auch hier: Verwaltung statt Ehrenamt.
Man kann ihr zugutehalten, dass sie – im Unterschied zur AfD – überhaupt sichtbare Tätigkeiten in Natur- und Stadtpflege zeigt. Doch wer sich „christlich-sozial“ nennt, sollte mehr hinterlassen als Pflanztage mit Pressefotos.
Die CDU hat Spuren, aber keine Hände im Schlamm.
Sie organisiert Mitmachaktionen, aber kein soziales Fundament.
In Teilbereichen sichtbar, im Kern aber Verwaltungspatriotismus: sie hält Ordnung, sie verwaltet Verantwortung – sie lebt sie nicht.
Und selbst diese Rest-Aktivität hebt sie meilenweit von der AfD ab, deren Engagement für die Gemeinschaft nicht einmal in Spurenelementen nachweisbar ist.
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Quellen (Auswahl)
Deutscher Freiwilligensurvey 2019, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Vierter Engagementbericht der Bundesregierung (2024/25).
Tafel Deutschland – Jahresberichte, Ehrenamtszahlen (ca. 75 000 Helfende, 2 000 Ausgabestellen).
Die Linke Hessen / Marburg / Kassel / Fulda – Sozial- und Rechtsberatung, „DIE LINKE hilft“.
Bündnis 90/Die Grünen Hessen / Bad Schwalbach – Aufforstungsaktionen, Bannwaldschutz.
SPD Hessen / SPD Hessen Süd – Jugendprogramme, Aktionsplan Kinderschutz.
NABU Deutschland – Positionspapier „AfD und Naturschutz – nicht vereinbar“ (2023).
AfD Bundestags- und Landtagsdokumente – keine belegten Trägerinitiativen, keine Sozialprojekte.
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