Verrat unter Brüdern – warum die neue Rechte mit zweierlei Maß misst
Wer heute mit der Hand auf die Brust schlägt, von Vaterland, Treue und „Zucht und Ordnung“ redet, ruft Geister herbei, deren Logik er nicht verstanden hat. Denn die Ideologie, auf die sich viele der sogenannten Patrioten berufen, war nie ein Schutzschild für das eigene Volk. Sie war ein Apparat der Angst, der jeden verschlang, der sich nicht vollkommen unterwarf – auch aus den eigenen Reihen.
Im Dritten Reich genügte der Verdacht, Kontakte ins Ausland zu pflegen, um als Verräter zu gelten. Wer Geld aus fremden Quellen annahm, wer mit Journalisten sprach, wer einen Gedanken teilte, der nicht in die Propagandamaschine passte, riskierte sein Leben. Die Gestapo kannte keine Loyalität, keine Kameradschaft. Die „Nacht der langen Messer“ 1934 war das erste Lehrstück: Hitler ließ Dutzende von Weggefährten erschießen, weil sie ihm zu selbstständig geworden waren. Später reichte ein Brief nach London oder ein Treffen mit einem Diplomaten – das Urteil lautete „Hochverrat“, die Strafe meist der Tod.
Und heute? Dieselben Kreise, die vom „starken Staat“ träumen, schweigen, wenn aus ihren eigenen Reihen Geld aus Russland fließt oder Kontakte nach China auftauchen. Dieselben, die jeden Flüchtling zum Sicherheitsrisiko erklären, zucken mit den Schultern, wenn AfD-Funktionäre in russischen Medien auftreten oder von dubiosen Netzwerken bezahlt werden.
Das ist keine Ironie mehr – das ist moralische Schizophrenie. Eine Bewegung, die sich auf nationale Reinheit beruft, während sie sich ausländischen Regimen andient, verrät den Kern ihrer eigenen Erzählung. Der Faschismus alter Schule hätte solche Leute an die Wand gestellt. Heute werden sie beklatscht.
Was sich da zeigt, ist die eigentliche Wahrheit hinter der rechten Pose: Es geht nicht um das Land, nicht um Volk oder Ehre. Es geht um Einfluss, um Geld, um Macht – und um die alten Sehnsüchte nach Autorität, egal woher sie kommt. Die Ideologie dient nur als Tarnung. Der Patriotismus ist Staffage, hinter der sich ein Geschäft mit Angst und Identität verbirgt.
Das Dritte Reich war kein Ort für freie Geister, keine Bühne für Querdenker. Es war ein System, das sich selbst verschlang. Wer dort an der Macht war, wusste: Heute bist du nützlich, morgen bist du tot. Wer das heute verklärt, hat entweder nichts verstanden – oder würde morgen selbst wieder den Schalter umlegen, solange er glaubt, auf der richtigen Seite zu stehen.
Die falschen Patrioten
Wer den Westen verachtet und gleichzeitig in Moskau oder Peking um Anerkennung buhlt, hat das Wort „Vaterland“ längst verkauft. Die AfD inszeniert sich als Bollwerk der Souveränität, während aus ihren Reihen immer wieder Namen auftauchen, die sich auffällig oft im Dunstkreis ausländischer Einflussnetze bewegen.
Maximilian Krah, gegen den wegen mutmaßlicher chinesischer Bestechung ermittelt wird, hatte einen Mitarbeiter, der für China spionierte. Petr Bystron, Abgeordneter und Frontmann der Parteilinken, soll Geld aus einem prorussischen Netzwerk erhalten haben. Markus Frohnmaier taucht in Kreml-Papieren als „kontrollierbarer Kandidat“ auf. Eugen Schmidt beschäftigte einen Mitarbeiter mit FSB-Kontakten. Stefan Keuter und Gunnar Lindemann reisen regelmäßig in besetzte Gebiete und geben sich als Wahlbeobachter aus.
Das Muster wiederholt sich: russische Talkshows, chinesische Einladungen, dubiose Vereine, bezahlte Auftritte, inszenierte Beobachtungsmissionen. Und während sie nach innen „Deutschland zuerst“ rufen, öffnen sie nach außen die Türen für genau jene Mächte, vor denen sie angeblich warnen.
Das ist kein Patriotismus. Das ist politische Heuchelei – getarnt als nationale Treue. Wer sich so verhält, steht nicht für Deutschland, sondern verkauft es scheibchenweise an jene, die Demokratie nur als Schwäche betrachten. Und das ist der Punkt, an dem aus falscher Loyalität Verrat wird.
Partei der Säuberungen
Wer anderen „Zersetzung“ vorwirft, zerlegt sich längst selbst. In der AfD tobt seit Jahren ein permanenter Machtkampf – kein Streit um Ideen, sondern ums Überleben in einem System, das nur Stärke duldet. Parteigründer wie Bernd Lucke oder Frauke Petry wurden aus ihren eigenen Reihen gedrängt, weil sie Zweifel anmeldeten. Später traf es Andreas Kalbitz, den man nach seiner Zeit in rechtsextremen Organisationen fallen ließ, um die Fassade zu wahren. Heute liefern sich Höcke, Weidel, Chrupalla und ihre Lager die gleichen internen Scharmützel – Ausschlüsse, Abwahlanträge, Intrigen, gegenseitige Denunziation.
Nach außen spricht die Partei von Geschlossenheit. Innen herrscht das Misstrauen. Jeder beobachtet jeden. Der kleinste Widerspruch gilt als Verrat, der kleinste Fehler als Schwäche. Das ist keine politische Bewegung mehr, sondern ein Kreislauf aus Angst, Kontrolle und Machtgier. Die Struktur ähnelt weniger einer demokratischen Partei als einem autoritären Apparat, der seine Mitglieder diszipliniert, um Loyalität zu erzwingen.
Und so wiederholt sich die Geschichte: Wer zu laut denkt, fliegt. Wer still bleibt, wird Werkzeug. Wer führt, lebt auf Zeit. Die AfD präsentiert sich als Alternative – in Wahrheit ist sie längst eine Kopie jener Systeme, die sie vorgibt zu bekämpfen: selbstgerecht, paranoid und innerlich verrottet.
Hinweis an jene Kräfte in der CDU, die glauben, sie könnten die AfD kontrollieren:
Die Zentrumspartei dachte 1933 genau dasselbe. Sie wollte Verantwortung zeigen, Stabilität sichern, Schlimmeres verhindern – und stimmte dem Ermächtigungsgesetz zu. Wenige Monate später war sie verboten, ihre Funktionäre verfolgt, ihre Strukturen zerschlagen. Wer glaubte, Hitler zähmen zu können, wurde von ihm verschlungen.
Heute wiederholt sich der Gedanke, man könne die Rechten „einbinden“, sie händeln, sie für eigene Zwecke nutzen. Doch wer den Hass an den Tisch bittet, wird selbst zum Werkzeug des Hasses.
Autoritäre Bewegungen kennen keine Partner, nur Mitläufer – bis sie sie nicht mehr brauchen.
An alle Mitglieder der CDU, die glauben, sie könnten die AfD händeln: Schaut in eure eigene Parteigeschichte. Dort steht, was mit dem Zentrum geschah.
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