Wir hätten Habeck haben können
Wie ein Wirtschaftsminister zerstört wurde – und warum Deutschland heute mit den Fehlern der CDU zahlt
Habeck war nie der Mann der großen Gesten.
Er kam nicht mit theatralischem Pathos, nicht mit dieser gönnerhaften Dunkelkammer-Attitüde, die in der CDU seit Jahren als Gravitas durchgeht.
Er stand einfach da, erklärte, begründete, zog Linien zwischen Gegenwart und Zukunft.
Und plötzlich hatte ein Land, das sich seit Jahrzehnten durch politische Nebelmaschinen kämpfen musste, das Gefühl:
Da spricht jemand, der uns ernst nimmt.
Kein Feindbild-Marketing.
Keine Zielgruppenmanipulation.
Keine autoritäre Pose.
Nur der Versuch, Menschen zu erklären, was passiert, anstatt ihnen zu erzählen, was sie fühlen sollen.
Ein Wirtschaftsminister, der nicht in Parteidenke, sondern in Realität dachte
Habeck war der erste Wirtschaftsminister seit langer Zeit, der begriffen hat, dass Wirtschaft nicht nur aus Verbänden, Beton und Besitzständen besteht.
Dass erfolgreiche Volkswirtschaften nicht auf Verharren bauen, sondern auf Anpassung.
Dass Zukunft nicht auf Zurückweichen reagiert, sondern auf Handeln.
Die Bilanz seiner kurzen Amtszeit:
– Solarzubau +51 %, Windkraft endlich wieder im zweistelligen Wachstum
– Bürokratieabbau in Verfahren, die zuvor jahrelang lagen
– Abkopplung von russischen Energielieferungen in historischer Geschwindigkeit
– LNG-Terminals in Monaten statt Jahrzehnten
– eine Industriestrategie, die zum ersten Mal seit langer Zeit das Wort Zukunft nicht ironisch verwendete
– klare Kommunikation über Kosten und Risiken der Transformation
Fehler? Natürlich.
Aber er hat Verantwortung sichtbar getragen, nicht versteckt.
Er hat gesprochen wie ein Politiker, der weiß, dass es nicht sein Job ist, beliebt zu sein, sondern ehrlich.
Und genau deshalb wurde er zerstört.
Die CDU wusste, dass ein moderner, glaubwürdiger Wirtschaftsminister ihren jahrzehntelang gepflegten Stillstand entlarven würde. Also tat sie, was sie immer tut, wenn die Realität zu groß wird:
Lärm statt Lösung.
Angriff statt Argument.
Zerstörung statt Auseinandersetzung.
Die CDU als Maschine der Realitätsverweigerung
Während Habeck versuchte, ein Land durch die größte Transformation seit 1945 zu manövrieren, stand Merz daneben und polterte.
Nicht ein einziger ernstzunehmender Vorschlag.
Nicht ein Moment staatsmännischer Haltung.
Nur die alte Oppositionstechnik: brüllen, bremsen, Vorteile abschöpfen.
Und heute? Die Ironie der politischen Geschichte
Die CDU-Regierung setzt inzwischen still und leise vieles von dem um, was Habeck entworfen hat:
Industriestrategie
Standortumbau
Strompreisreformen
Technologieförderung
Gestern verspottet.
Heute übernommen.
Ohne das Rückgrat, es zuzugeben.
Sie haben ihn beschädigt, um sich später mit seinen Ideen zu schmücken.
Eine Partei, die moralisch auf den Knien robbt und glaubt, niemand bemerkt es.
Katharina Reiche – die restaurative Gegenfigur
Während Habeck die Zukunft organisieren wollte, stellte die CDU eine Wirtschaftsministerin auf, die im Kern für das Gegenteil steht:
Katharina Reiche.
Jahrelang zentrale Figur der fossilen Energielobby.
Vertreterin eines Industrieverständnisses, das Wachstum mit Festhalten verwechselt.
Politikerin, deren Karriere aus Netzwerken besteht, nicht aus Mut.
Sie ist nicht angetreten, um Deutschland umzubauen.
Sondern um Deutschland so lange wie möglich zu konservieren.
Sie passt in dieses CDU-Modell wie ein Gewindebolzen in ein altes Stahlgerüst:
stabil, unbeweglich, rückwärtsgerichtet.
Was wir bekommen haben
Und genau das ist das Problem.
Wir hätten Habeck haben können.
Bekommen haben wir:
– Friedrich Merz: Populist im Maßanzug, der mit dem Finger zeigt, weil er keine Lösungen hat.
– Jens Spahn: politische Hybris auf zwei Beinen, der bis heute nicht verstanden hat, wie man Verantwortung buchstabiert.
– Alexander Dobrindt: letzter Überrest einer Epoche, die schon vor zehn Jahren verrostet ist.
– Katharina Reiche: die Rückwärtsministerin, die Lobbygeschichte geschrieben hat, aber keine Wirtschaftsvision besitzt.
Ein Quartett, das nicht weiß, wie Zukunft geht, aber sehr genau weiß, wie man Angst verkauft.
Der eigentliche Gegner, dem sie nie begegnet sind
Während sie einen der fähigsten Minister des Landes zerstörten, haben sie gleichzeitig dem wahren Risiko Raum geschaffen:
den gesichert Rechtsextremen.
Sie haben nicht gegen Rechts gekämpft.
Sie haben gegen Fortschritt gekämpft.
Sie haben nicht den Mut verteidigt, sondern den Stillstand.
Sie haben nicht die Demokratie gestärkt, sondern ihr Fundament ausgehöhlt.
Die Union hat ihre Zukunft verraten, um von der Vergangenheit zu leben.
Und sie verkauft uns das als Politik.
Wir hätten Habeck haben können
Einen Politiker, der erklärt statt abzuwerten.
Der Komplexität nicht fürchtet, sondern sie übersetzt.
Der Menschen ernst nimmt, weil er nicht in Feindbildern denkt.
Der verstanden hat, dass Zukunft keine Option ist, sondern Notwendigkeit.
Er war nicht perfekt.
Darum geht es nicht.
Es geht darum, dass er integer war.
Und dass dieser Stil heute fehlt.
Die CDU dagegen steht da wie ein politischer Altmetallhaufen:
laut, verbeult, eigensinnig, realitätsfern.
Eine Partei, die etwas zerstört hat, das sie selbst nie hervorbringen konnte.
Und Deutschland wird lange spüren, was es bedeutet, jemanden wie Robert Habeck politisch zu verheizen.
Quellen
– Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz: Jahresberichte Energie & Industrie 2022–2023
– Fraunhofer ISE: Zubauzahlen Photovoltaik & Windenergie 2022–2023
– BMWK: LNG-Infrastrukturberichte 2022
– Agora Energiewende: Energiestatistik Transformation 2022–2023
– DIHK & IW Köln: Industrieumfragen zum Standortumbau
– Bundestag: Protokolle zu Industriepolitik, Strompreisdiskussion, Transformation
– Transparenzregister: Tätigkeiten Katharina Reiche (u. a. VKU, E.ON-nahe Netzwerke)
– Presseberichte FAZ, Tagesspiegel, ZEIT, Spiegel zur CDU-Strategie, Habeck-Kritik & energiepolitischer Kurskorrektur
