Warum 30 Sekunden TikTok Politik verändern können. Und warum wir verstehen müssen, was Sprache mit unserer Wahrnehmung macht.
Ein Satz. Ein Feindbild. Eine Emotion. Ein Video von 30 Sekunden.
Hunderttausende Aufrufe.
Politische Kommunikation hat sich verändert.
Wer heute Menschen erreichen will, braucht nicht zwingend eine große Rede, ein ausführliches Interview oder zwanzig Seiten Parteiprogramm. Manchmal reichen ein Smartphone, eine Kamera und eine Botschaft, die innerhalb weniger Sekunden verstanden wird.
Das Problem beginnt dort, wo wir glauben, diese 30 Sekunden seien tatsächlich so einfach, wie sie aussehen.
Sie sind es nicht.
Ich habe über 450 Seiten gebraucht, um zu untersuchen, warum 30 Sekunden TikTok politisch so erfolgreich sein können.
Das Ergebnis ist mein neues Buch:
DIE SPRACHE DER EMPÖRTEN
Politische Kommunikation am Fallbeispiel von Ulrich Siegmund
Das Taschenbuch ist ab sofort bei Amazon erhältlich. Weitere Vertriebswege und das E-Book folgen nach Freigabe der jeweiligen Plattformen.
Und dieses Buch erscheint zu einem Zeitpunkt, der kaum aktueller sein könnte.
Sachsen-Anhalt steht vor einer Richtungsentscheidung
In wenigen Wochen wird in Sachsen-Anhalt gewählt.
Ulrich Siegmund steht im Mittelpunkt eines Wahlkampfs, der längst weit über die Grenzen des Bundeslandes hinaus wahrgenommen wird.
Über seine politischen Positionen wird gesprochen. Über seine Auftritte. Über seine Videos. Über seine Reichweite in sozialen Netzwerken.
Doch eine Frage kommt dabei häufig zu kurz:
Warum funktioniert diese Kommunikation?
Genau diese Frage interessiert mich.
Nicht nur: Was sagt Ulrich Siegmund?
Sondern:
Warum sagt er es auf diese Weise?
Warum funktionieren bestimmte Begriffe?
Warum funktionieren kurze Videos?
Warum werden bestimmte Konflikte immer wieder erzählt?
Warum erzeugen manche Aussagen enorme Zustimmung und andere enorme Empörung?
Und warum kann sogar der politische Gegner dazu beitragen, eine Botschaft noch größer zu machen?
Wer moderne Politik verstehen will, muss moderne politische Kommunikation verstehen.
Dieses Buch ist keine Biografie über Ulrich Siegmund
Ulrich Siegmund ist das Fallbeispiel.
Das eigentliche Thema ist größer.
Es geht um politische Sprache. Um Populismus. Um soziale Medien. Um Emotionalisierung. Um Wiederholung. Um Feindbilder. Um politische Inszenierung. Um die Konstruktion von Nähe. Um die Macht einfacher Erzählungen in einer komplizierten Welt.
Und um die Frage, was passiert, wenn Politik nicht mehr hauptsächlich um die bessere Erklärung konkurriert, sondern um Aufmerksamkeit.
Siegmund eignet sich für diese Untersuchung besonders gut, weil seine Kommunikation viele Entwicklungen moderner Politik sichtbar macht.
Kurze Videos.
Direkte Ansprache.
Wiederkehrende Begriffe.
Klare Verantwortliche.
Klare Gegner.
Klare Botschaften.
Komplexität wird reduziert.
Politik wird persönlich.
Und aus politischen Problemen werden Geschichten.
Ein Wort kann eine ganze Geschichte erzählen
Nehmen wir einen Begriff wie „Altparteien“.
Das Wort ist kurz.
Aber seine politische Botschaft ist erheblich größer.
Es bezeichnet nicht einfach andere Parteien.
Es sortiert sie bereits ein.
Alt. Verbraucht. Teil eines bestehenden Systems.
Dem wird etwas vermeintlich Neues gegenübergestellt.
Oder „Lügenpresse“.
Auch hier braucht es irgendwann keine ausführliche Argumentation mehr.
Das Wort selbst enthält bereits die Behauptung.
Medien informieren nicht.
Sie lügen.
Wer diese Vorstellung übernommen hat, muss anschließend nicht mehr jeden einzelnen journalistischen Beitrag prüfen. Eine Information, die nicht zur eigenen politischen Wahrnehmung passt, kann bereits durch die Zuschreibung des Absenders entwertet werden.
Genau darin liegt die Macht politischer Sprache.
Sie beschreibt Wirklichkeit nicht nur. Sie kann vorgeben, wie wir Wirklichkeit betrachten.
Die Welt wird einfacher, wenn jemand die Schuld trägt
Politische Wirklichkeit ist kompliziert.
Warum fehlen Wohnungen?
Warum steigen bestimmte Preise?
Warum fehlen Lehrer?
Warum funktioniert eine Behörde nicht?
Warum wandert ein Unternehmen ab?
Warum kommt eine Kommune finanziell nicht zurecht?
Die seriöse Antwort besteht meistens aus mehreren Ursachen.
Und genau das ist kommunikativ ein Problem.
Komplexität lässt sich schlecht in 30 Sekunden erzählen.
Ein Schuldiger dagegen schon.
„Die da oben.“
„Brüssel.“
„Die Grünen.“
„Die Medien.“
„Die Altparteien.“
„Die Migranten.“
Aus komplizierten gesellschaftlichen Entwicklungen entsteht eine einfache Geschichte:
Wir haben ein Problem. Jemand ist dafür verantwortlich. Und wir werden es lösen.
Kommunikativ ist das enorm leistungsfähig.
Denn Menschen müssen sich keine komplizierten Zusammenhänge merken.
Sie müssen sich nur die Geschichte merken.
Social Media hat die Regeln verändert
Früher stand zwischen Politiker und Publikum häufig eine journalistische Redaktion.
Ein Politiker gab ein Interview.
Ein Journalist fragte nach.
Eine Behauptung konnte unmittelbar hinterfragt werden.
Zahlen konnten eingeordnet werden.
Widersprüche konnten angesprochen werden.
Social Media verändert dieses Verhältnis fundamental.
Politiker können heute unmittelbar mit ihrem Publikum kommunizieren.
Ohne Redaktion.
Ohne Gegenfrage.
Ohne Einordnung.
Der Absender bestimmt Kamera, Perspektive, Schnitt, Text, Musik und Zeitpunkt.
Er bestimmt, welches Problem gezeigt wird.
Und er bestimmt zunächst auch, welche Erklärung dafür angeboten wird.
Danach übernimmt ein zweiter Mechanismus:
der Algorithmus.
Empörung ist keine Panne des Systems
Eine politische Aussage muss im Netz nicht allen gefallen, um erfolgreich zu sein.
Im Gegenteil.
Widerspruch kann Reichweite erzeugen.
Empörung kann Reichweite erzeugen.
Ein wütender Kommentar ist immer noch ein Kommentar.
Ein empörter Share ist immer noch ein Share.
Ein Reaktionsvideo trägt die ursprüngliche Botschaft möglicherweise zu Tausenden Menschen, die sie sonst niemals gesehen hätten.
Das führt zu einer merkwürdigen Situation:
Manchmal arbeiten die Gegner einer politischen Botschaft kostenlos an ihrer Verbreitung mit.
Auch das gehört zur modernen politischen Kommunikation.
Und auch deshalb reicht ein klassischer Faktencheck allein nicht immer aus.
Eine falsche oder verkürzte Behauptung kann emotional längst ihr Ziel erreicht haben, bevor ihre ausführliche Widerlegung überhaupt gelesen wird.
Warum ich dieses Buch geschrieben habe
Ich arbeite seit mehr als 23 Jahren im Bereich Medien, Werbung und Kommunikation.
QuelleX beschäftigt sich täglich mit politischen Aussagen, Medienmechanismen, Sprache und öffentlicher Wahrnehmung.
Dabei begegnete mir immer wieder dasselbe Phänomen:
Wir diskutieren darüber, ob eine Aussage richtig oder falsch ist.
Aber viel zu selten diskutieren wir darüber, warum sie funktioniert.
Genau diese Lücke wollte ich genauer untersuchen.
Deshalb geht „Die Sprache der Empörten“ tiefer.
Es geht nicht darum, eine Sammlung besonders drastischer Aussagen zusammenzustellen.
Es geht um die Mechanik dahinter.
Welche sprachlichen Muster wiederholen sich?
Wie entstehen politische Frames?
Wie werden Gruppen konstruiert?
Wie funktioniert die Unterscheidung zwischen „wir“ und „die“?
Welche Rolle spielen Angst, Wut, Zugehörigkeit und Kontrollverlust?
Was bewirken Wiederholungen?
Welche Bedeutung haben Bilder?
Was verändert TikTok?
Was verändert Facebook?
Und was passiert mit demokratischer Debatte, wenn Aufmerksamkeit selbst zur politischen Währung wird?
Kein Buch gegen AfD-Wähler
Das ist mir wichtig.
Wer politischen Erfolg ausschließlich damit erklärt, dass die anderen angeblich zu dumm seien, hat nichts erklärt.
Millionen Menschen treffen politische Entscheidungen aus unterschiedlichen Gründen.
Protest. Überzeugung. Enttäuschung. Angst. Wut. Materielle Interessen. Persönliche Erfahrungen.
Politische Kommunikation kann diese Gefühle aufnehmen, verstärken, strukturieren und mit bestimmten Erklärungen verbinden.
Genau deshalb lohnt sich die Analyse.
Wer verstehen möchte, warum eine politische Botschaft funktioniert, muss zunächst bereit sein, ihre Wirkung ernst zu nehmen.
Das bedeutet nicht, ihren Inhalt zu übernehmen.
Im Gegenteil.
Wer Manipulationsmechanismen erkennen will, muss sie zuerst verstehen.
Das Buch ist politisch. Aber es ist keine Wahlempfehlung.
Natürlich schreibe ich nicht aus einem politischen Vakuum.
Meine Haltung ist bekannt.
QuelleX ist kein politisch neutrales Nachrichtenportal, das so tut, als gäbe es keinen Standpunkt.
Aber Haltung entbindet nicht von sauberer Analyse.
Gerade politische Kritik wird schwach, wenn sie nur aus Empörung besteht.
Mich interessiert deshalb nicht die hundertste Beschimpfung irgendeines Politikers.
Mich interessiert die Frage, warum seine Kommunikation Menschen erreicht.
Warum sie hängen bleibt.
Warum sie weitergetragen wird.
Und warum bestimmte sprachliche Muster inzwischen weit über einzelne Parteien hinaus die politische Debatte verändern.
Ulrich Siegmund ist das Fallbeispiel. Das Thema betrifft uns alle.
Man kann dieses Buch lesen, ohne sich besonders für Sachsen-Anhalt zu interessieren.
Denn die Mechanismen enden nicht an einer Landesgrenze.
Und sie gehören auch nicht exklusiv der AfD.
Politische Emotionalisierung gibt es links, rechts und in der Mitte.
Framing gehört zur Politik.
Vereinfachung gehört zur Politik.
Inszenierung gehört zur Politik.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Politik kommuniziert.
Natürlich tut sie das.
Die Frage lautet:
Wann wird aus legitimer politischer Zuspitzung eine Wirklichkeit, in der nur noch die eigene Erzählung zählt?
Und was bedeutet das für eine demokratische Gesellschaft?
Dieses Buch soll keine Meinung ersetzen
Im besten Fall bewirkt es etwas anderes.
Dass wir genauer hinsehen.
Dass wir bei einem politischen Video nicht nur fragen:
„Stimme ich dem zu?“
Sondern auch:
Warum wurde genau dieses Bild gewählt?
Warum genau dieser Begriff?
Wer wird als Verantwortlicher dargestellt?
Welche Information fehlt?
Welche Emotion soll bei mir entstehen?
Warum wird mir dieses Video überhaupt angezeigt?
Und wer profitiert davon, wenn ich es sofort teile?
Diese Fragen machen niemanden unempfindlich gegen politische Kommunikation.
Aber sie verändern den Blick darauf.
Über 450 Seiten für 30 Sekunden TikTok
Das klingt zunächst absurd.
Vielleicht beschreibt es aber ziemlich genau unser Problem.
Die Botschaft braucht 30 Sekunden.
Die Erklärung ihrer Wirkung braucht erheblich länger.
Politische Kommunikation ist heute schneller geworden.
Unsere Fähigkeit, sie einzuordnen, muss deshalb besser werden.
Genau dazu soll dieses Buch einen Beitrag leisten.
DIE SPRACHE DER EMPÖRTEN
Politische Kommunikation am Fallbeispiel von Ulrich Siegmund
von Karlheinz Skorwider
Über 450 Seiten über politische Sprache, Populismus, Social Media, Framing, Emotionalisierung, Feindbilder und die Mechanismen moderner politischer Kommunikation.
Das Taschenbuch ist jetzt bei Amazon erhältlich.
E-Book und weitere Vertriebswege werden ergänzt, sobald die jeweiligen Plattformen die Ausgaben freigeschaltet haben.
Über 450 Seiten für 30 Sekunden TikTok.
Denn manchmal ist die wichtigste Frage bei einer politischen Botschaft nicht nur, ob sie stimmt.
Sondern:
Warum funktioniert sie?
Das Taschenbuch ist jetzt auf Amazon erhältlich:
